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Hillesheim

Historie

Wappen

Aus der Klosterchronik

Zusammenfassung: Felicitas Schulz

Hillesheim hatte wechselnde Landesherren, so auch Gerhard von Reifferscheid. Sein Sohn Johann wurde im Jahre 1242 als Gründer des Augustinerklosters in Hillesheim genannt. Er verstarb im Jahre 1288. Die Herren von Reifferscheid sollen von Pippin, dem Vater Karls des Großen, abstammen.

Die Anlage des Klosters bot den Mönchen Schutz, doch nicht genügend Sicherheit. Sie errichteten um den Klostergarten ein "fortalitium", ein Bollwerk mit ca. 3 m hohen Mauern. Reste der grob gehauenen heimischen Kalksteine sind im Klostergarten ganz hinten links noch zu betrachten.

Unter dem Ostflügel heraus soll schon recht früh von den Augustinermönchen ein Tunnel von annähernd 1,50 m Höhe gegraben worden sein. Dieser Tunnel verlief unterhalb der heutigen Augustinerstraße nach links und mündete rechts am Cafe Kloep unter dem ehemaligen Stadttor in den befestigten kurtrierischen Amtsort hinein. So konnten die Mönche in der St. Martinskirche die Messe halten, ohne sich bei Belagerungen feindlicher Heerscharen in Gefahr zu begeben. Bei der Sanierung von Hillesheim in den 70er Jahren des letzen Jahrhunderts zur Europäischen Beispielstadt kam der Tunnel bei Erdarbeiten ans Tageslicht und ältere Mitbürger erinnerten sich, als Kinder in dem damals noch durchgängigen Tunnel gespielt zu haben.

Die Klosterkirche befand sich an der Stelle, wo heute der Hoteleingang ist. Sie war einschiffig, 40 m lang und 10 m breit. Die Kirche hatte drei Altäre und mehrere Grabstätten sollen sich nachweislich in ihr befunden haben. 1823 existierten noch kunstvoll gemalte Glasfenster mit Inschriften aus den Jahren 1672 bis 1725.

Das Augustiner Kloster war reich mit Schenkungen bedacht und erstmalig urkundlich im Jahre 1372 aufgezeichnet. Der Stifter Heinrich Meelbaum von Castiliburg übereignete dem Kloster in Hillesheim die Hälfte seines Hofes Dankerath mit allem Zubehör. Weitere Schenkungen waren oftmals Frucht wie Hafer und Spelze, Früchte und Holzladungen. Diese Stiftungen und Zuwendungen versetzten das Kloster zeitweise in einem gediegenen Wohlstand. Clais von Mirbach, aus einen der ältesten Adelsgeschlechter der Eifel, galt als besonderer Wohltäter des Klosters

Am 31. 10. 1517 schlägt der Augustinermönch Martin Luther in Wittenberg seine 95 Thesen an die Schlosskirche und löste den Beginn der Reformation aus. Das Kloster war alsbald verlassen. 1562 wird noch ein Prior, der Klostervorsteher, erwähnt. In einer Urkunde aus dem Jahre 1568 wird dem Kloster der Verfall bestätigt. Die Dokumente werden nach Trier gebracht. Etliche Besitztümer gingen an neue Eigentümer. 1613 wird es als völlig verlassen und äußerst verfallen bezeichnet.

Im Dreißigjährigen Krieg , nach Jahren der Unbewohntheitund des Verfalls, wurde das Kloster im Jahre 1641 dem Augustinerorden wieder gegeben. Der Kurfürst von Trier gestattete laut Urkunde vom 2. Januar 1659 den Patres "von der verfallenen Schanz und daran stehenden unnötigen Rondelen die notwendigen Mauersteine für den Klosterbau zu nehmen." Nach der Instandsetzung der Klostergebäude fand 1687 die Einweihung durch Weihbischof Heinrich von Anethan statt. Der Augustinergeneral Travalloni in Rom nahm das wiedererstandene Kloster in die Erzbruderschaft zu Bologna auf.

Das Kloster, vor den Toren der Stadt gelegen, blieb bei den häufigen Bränden in dem Kurtrierischen Amtsort meist verschont. Jedoch bei Überfällen waren sie schutzlos der Willkür der Marodeure ausgeliefert. So auch im Jahre 1689, als Raubkrieger des Französischen Sonnengottes, Ludwig XIV., die Stadt in Schutt und Asche legten. Nach fünf Tagen kehrten sie mit 300 Soldaten wieder nach Hillesheim zurück, um auch das Kloster zu stürmen. Sie befahlen " die Wallen und Mauern des Klosters zu demolieren oder das Kloster würde in Brand gesteckt". Zufälligerweise zogen Niederländer aus dem Bonner Raum mit 16 000 Mann Reiterei vorbei und vertrieben die Franzosen.

Im Jahre 1705 lagerte unter dem Kommando des englischen General Marlbourogh eine Armee von 30 000 Soldaten rund um Hillesheim. Die Generalität logierte im Kloster. Die Stadt war überfüllt und durch die Unachtsamkeit eines englischen Schmiedes, der mit vom Dauerregen nass gewordenem Stroh ein Feuer entfachen wollte, geriet die Stadt in Brand. Nur drei Häuser blieben weitesgehend unversehrt, da sie statt der üblichen Holzbauweise mit Steinen errichtet waren. Mutige Hillesheimer Bürger begaben sich nach Trier zum Erzbischof und forderten die Errichtung einer Ziegelbrennerei, deren Genehmigung erst viele Jahre später beim Schultheißen eintraf.

Der noch bestehende in Privatbesitz ehemalige, freiadlige Clausenhof zu Mirbach, kam durch Schenkung im Jahre 1718 von den Geschwistern Schweizhardt als Messstiftung zum Augustinerkloster und gehörte beim Einmarsch der französischen Revolutionstruppen im Oktober 1794 noch dem Kloster.

Das Augustinerkloster beherbergte ab dem Jahre 1709 eine Lateinschule. Johann Philipp von Waldersdorf, Erzbischof zu Trier erteilte 1759 den Patres die Genehmigung ein Gymnasium einzurichten. Im Jahre 1785 zählte die Anstalt 35 Schüler, die von weit her kamen. Zwölf Patres und vier Laienbrüder standen dem Eifelgymnasium vor. Die einfachen Verhältnisse sahen vor, dass ein Ofen vier eng nebeneinander liegende Stuben heizte. Die Böden waren mit Steinplatten belegt. Die Anstalt war vielfach auf Wohltäter angewiesen. Für das Heizen mussten die Familien der Zöglinge neben dem Schulgeld möglichst viele Klafter Holz zum Kloster bringen.

Das von den Patres geführte Eifelgymnasium im Augustinerkloster verteilte zum Abschluss des Schuljahres Preise. Ein Fleißzeugnis aus dem Jahre 1769, ausgestellt auf Johann Christoph Wrangel aus Daun, bezeugt dem Jüngling im Fach Rhetorik "wegen seiner fast ciceronischen Eleganz im Verfassen von Reden" ein besonderes Lob. Die Anstalt arbeitete eng mit dem Gymnasium in Münstereifel zusammen und tauschte Patres und Schüler aus. Das Schulwesen unterstand zu jener Zeit dem Generalvikariat und nur Geistliche erhielten die Genehmigung zum Unterrichten. Mit dem Einmarsch der französischen Revolutionsheere im Jahre 1794 bahnte sich die Schließung des Gymnasiums an, die im Jahre 1802 unter Napoleon mit nur noch fünf Schülern, erfolgte.

  • Die Klosteranlage wurde am 7. Juni 1805 durch die französische Regierung für 946 Taler versteigert.
  • Die kurfürstlichen Mönchsgüter für 5025 Fr.
  • Das kurfürstliche Kellereigut für 7450 Fr.
  • und das kurfürstliche Johannisgut für 7700 Fr.
  • Das kurfürstliche Mirbachsgut für 3500 Fr. oder 956 Taler
  • Die kurfürstliche obere Mühle mit zwei Gängen und die untere mit einem Gange für 5225 Fr.
  • Die Gebäude des Augustinerklosters für 3550 Fr.
  • Im Jahre 1811 fand der kurfürstliche Paulshof für 8525 Fr. einen Käufer.

Das Inventar der Klosterkirche kam in benachbarte Pfarrkirchen. Einer der drei Altäre kam in die Hillesheimer St. Martinskirche und eine Strahlenmonstranz gelangte nach Lissendorf, wo sie auch heute noch in der Kirche zu besichtigen ist. Die Klosterinsassen fanden in den umliegenden Dörfern als Pfarrer eine Anstellung.

Die verwaiste Klosterkirche erfuhr Jahre nach der Schließung des Augustinerklosters, im Zuge der Säkularisation, eine andere Nutzung. Sie wurde zur Gerberei umgebaut. Und scherzeshalber sagten die Hillesheimer: " Statt des Weihrauchs aus silbernen Schalen, duften heute faule Gase aus dunklen Lohgruben."

Auf dem Wiener Kongreß kam die Eifel im Jahre 1815 zur Preußischen Rheinprovinz. Am 12. April 1816 übernahm die neue preußische Bezirksregierung in Trier die Amtsgeschäfte. Wanderlehrer zogen von Dorf zu Dorf und berieten die Bauern in Ackerbau und Viehzucht. Am 5. November 1888 eröffnete der preußische Landrat Graf Brühl in einem Flügel des ehemaligen Augustiner Klosters eine Winterschule mit 30 Schülern. In den Jahren 1951/52 kam für weibliche Schülerinnen eine hauswirtschaftliche Abteilung mit Lehrsaal, Lehrküche und Internatsräumen hinzu. Ende der sechziger Jahre erwog man noch, zwei Treppenaufgänge, getrennt für Mädchen und Jungen, einzubauen. Das Ende der Landwirtschaftsschule in den Klostermauern im Jahre 1972 leitete sich vorrangig durch den fortschreitenden Strukturwandel und Spezialisierung in der Viehhaltung ein. Sie wurde nach Daun verlegt und auch das in den Klosterräumen untergebrachte Katasteramt kam in die Kreisstadt. Maler und Künstler und auch vorübergehend von Augustiner- Realschülern nutzten die Räumlichkeiten.

Im Rahmen der Stadtsanierung wurden von der Gemeinde in den 80er Jahren Umbaupläne zur Errichtung eines Hotels entwickelt und von 1990 bis 1993 gemeinsam mit einem Investor ausgeführt. Von 1993 bis 2002 wurde das Gebäude als Golf- und Sporthotel genutzt. Nach Schließung des 100 Betten Hotels diente das Atrium nur noch als Stadthalle. 2006 wurde das gesamte Gebäude von der Stadt erworben und nach der kompletten Sanierung am 01.09.2007 mit einem neuen Betreiber als Hotel Augustiner Kloster wieder eröffnet.